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Fliegenfischen in Patagonien, Argentinien
Geschrieben von: Benjamin Böckli
Nach einem langen Flug Genf-Rom-Buenos Aires-Comodoro Rivadavia sind wir vier Fischerfreunde endlich am ersten Etappenort angekommen. Gleich am Flughafen konnten wir den bestellten Toyota Hilux 4x4 (unbedingt auf der Reise = Schotterstrasse zu empfehlen) in Empfang nehmen und zum Hotel in die Stadt fahren.
Um unser Gepäck gegen Sand und Staub zu schützen packten wir unsere Koffer in Kehrichtsäcke ein und fuhren los in Richtung chilenische Grenze nach Los Antiguos am Lago Buenos Aires (ca. 400 km). In der Gemeindeverwaltung lösten wir für 350 Pesos unser Fischpatent gültig für das laufende Jahr, ab dem 65zigsten Altersjahr gratis. Eine Idee für die Schweiz! Dazu gibt es das Reglement mit sämtlichen Vorschriften und Erläuterungen zu allen Gewässern in Patagonien in Spanisch und Englisch.
Für 23 Tage hatten wir ein Budget von 5‘300.— CHF. Wir übernachteten jeweils in Bungalows oder günstigen Hotels (Frühstück inbegriffen). Das Essen, hauptsächlich Steaks oder Lamm und Salat ist in Restaurants zu einem anständigen Preis zu haben. Siehe unser Budgetplan im Anhang.
Fliegenfischen in Argentinien
Jetzt beginnt das, worauf wir uns so lange gefreut haben: FISCHEN
Im Rio Antiguos und Rio Jeinimeni versuchte ich meine ersten Streamer. Ich bin der einzige Fliegenfischer der Gruppe, die drei andern benutzten Blech etc. Ich berichte nur über meine Erfahrungen und Erfolge mit der Fliege. Ich benutzte vor allem eine 9,6 Rute mit 5er Schnur und bei starkem Wind eine 9er Torpedoschnur und 150 m Backing. Vor allem weiter unten im Süden, Rio Gallegos, war die 9er unentbehrlich. Ein Streamervorfach IMC und ca. 2 m 23er Tubertini-Silch, Reiskraft 5.5 Kg gab mir eine gute Sicherheit. Für die Trockenfliege ist ein 20er Vorfach von ca. 3 m zu empfehlen.
Das Fischerei-Sekretariat von Santa Cruz empfiehlt als Streamer: Yellow Perch , Woolly Bugger oliva, Pancora, Glass Minnow, Muddler Minnow, Puyen, Red Fox Squirrel Nymphe y Montana.
Als Trockenfliegen vor Allem braune und dunkle Muster Grösse 12-14.
Fliegenfischen in Chile
Nach zwei Tagen fuhren wir weiter nach Cochran in Chile. Ein wunderschöner kleiner Fluss mit einem sehr gutem Bachforellenbestand (Trucha marrón). Leider war der Wasserstand ein Meter über normal, sodass ein Fischen fast unmöglich war. So versuchten wir es am nächsten Tag 80 km weiter in einem Lachsgewässer um unser Glück zu versuchen. Und wirklich, ein starker 30 Pfund schwerer Pazifiklachs ging dem Kollegen an einen orangen Rapala. Mir war der Erfolg leider verwehrt trotz Versuchen mit verschiedenen bis 7 cm langen orangen und schwarzroten Streamern.
EL Calafate und Parque Nacional Los Glaciares:
Wenn man Patagonien und die Provinz Sante Cruz bereist, darf ein Besuch des Welt-Naturwunders, der Gletscher von Perito Moreno, nicht fehlen. Es ist ein Erlebnis, das Getöse der abbrechenden Eismassen mit Eintauchen in den Lago Argentino zu bestaunen.
Estanzia Rio Capitan:
Ein weiteres Etappenziel erreichten wir nach 300 km Schotterpiste in einer abgelegenen Ranch zwischen El Calafate und Rio Gallegos. Als unangemeldete Gäste kamen wir in den Genuss eines herzlichen Empfanges auf der mit 4500 Schafen bestückten Farm. Die Gastfreundschaft ist wirklich beeindruckend. Der Vorschlag am nächsten Tag in der Laguna
del Torro auf Regenbogenforellen zu fischen kostete uns jedoch 100 Dollar pro Tag! Das Fischen in den Gewässern in Argentinien ist gratis. Der Zugang dazu kostet jedoch ein Heidengeld. Fast alle Wege zu Flüssen und Seen sind durch die Grundstückbesitzer verwehrt und können nur gegen Entgelt passiert werden. An der Laguna verbrachten wir jedoch einen wunderbaren Fischertag mit durchschnittlich 25 Forellen zwischen 1.5 – 4 kg. Das war ein Zupfen und Kämpfen an meiner 5er Schnur mit einer schwarzen Prince. Am Abend hatte ich kaum noch Kraft mein Aperitif-Glas zu stemmen.
Bella Vista-Rio Gallegos:
| Budget in CHF | |
| Flug International | 1'330 |
| Flug National | 336 |
| Automiete 4x4 mit Versicherung |
1'030 |
| Verpflegung | 1'025 |
| Übernachtung mit Frühstück |
1'050 |
| Guide (Lachs) für 3 Tage |
150 |
| Verschiedenes Benzin/Patent usw. |
440 |
| Total | 5'361 |
Unser letzter Trip führte uns nach diesem kleinen Ort am gleichnamigen Fluss weit unten im Süden. Man spürte sofort, dass der Sommer zur Neige ging. Ein kalter zum Teil stürmischer Wind begleitete uns täglich und das Werfen war gar nicht einfach. Wie dankbar ich war, eine Torpedo 9er Schnur zu haben. Dank Geduld, im eiskalten Wasser auszuharren, kam ich zu einigen Erfolgen und konnte zum ersten Mal einige Meerforellen zwischen 1 und 2,5 kg an Land zu ziehen. Grössere waren uns leider verwehrt. So gingen unsere diesjährigen Fischerferien mit einem lachenden und einem weinenden Auge zu Ende.
Petri Heil Benjamin
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